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Die Mailänder Scala - Teatro alla Scala

Als ich zum ersten mal mit dem Bus nach Mailand kam, präsentierte sich die "alte Dame" schon als recht gebrechliches Gebäude. Derzeit wird das "Teatro alla Scala" zumindest außen renoviert. 

Dennoch beim Betreten des ehrwürdigen Opernhauses verspürte ich sofort Glanz, eine erstaunliche Feierlichkeit und Ausstrahlung. Selten war mir dieses Gefühl widerfahren. Selbst das knarzen der Balken und der etwas merkwürdige Geruch in den Logen hat von der Eleganz dieses Hauses nichts genommen. Und als die Aufführung "Eugen Onegin" - von Tschaikowski pünktlich um 20.00 Uhr begann, dann war ich mir ganz sicher. Die Akustik, das Orchester und die Akteure überzeugten mich derart, so dass ich auch den "teuren" Eintrittspreis fast vergessen hatte.

Es ist war - die Mailänder Scala - das Teatro alla Scala hat eine Ausstrahlung wie selten ein Opernhaus dieser Welt. Es ist trotz "Altersschwäche" das wohl bedeutendste und berühmteste Opernhaus der Welt. (....aus meinen Reisetagebüchern....gez. Paul Launer)

Mit ihren über 2000 Plätzen gehört die Scala auch zu den größten Opernhäusern. 

1776 bis 1778 wurde sie auf dem Gelände der Kirche Santa Maria della Scala erbaut. Bis heute revolutionär: die hängende und somit schwingende Decke, die den hinteren Rängen eine bessere Akustik beschert, als den Besuchern in den Logen. 

 

Weitere Daten folgen:

 

 

 

 

 

 

 

 

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Inh. Paul Launer
Wehrlachstr. 5

D-73499 Wört

Tel. ++49-07964-921000
Fax:++49-07964-9210090

mailto:info@opern-reisen.de

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Die Entstehungsgeschichte der Scala

Es ist kein Wunder, daß die Scala zu einer der berühmtesten Opernhäuser der Welt wurde, und es ist auch kein Wunder, daß die Scala in der lombardischen Hauptstadt entstand, denn schließlich gilt Mailand ja als die Stadt, in der die Wurzeln der europäischen Musik zu suchen sind und in der diese Musik auch erste Erfolge feierte.
Es ist bezeichnend für die Geschichte der Scala, daß für die ersten eigenen antiphonen Hymnen und Lieder unseres Kontinents eine politische Situation gleichsam zur Entstehung beitrug.
Als die Mailänder im Jahre 386 Tag und Nacht in den Kirchen Wache hielten, um ihren Bischof Ambrosius vor den Nachstellungen und Truppen der Kaiserin-Mutter Justina zu schützen, lehrte er sie die Psalmen nach seinen melodischen Eingebungen singen, um sie erstens wach und zweitens zuversichtlich zu erhalten. Augustinus schrieb über die ambrosianischen Melodien, er sei "mächtig bewegt vom Wohllaut dieser Lieder... Damals ward das Singen eingeführt,... damit das Volk im Übermaß seiner Niedergeschlagenheit sich nicht erschöpfe.... Der Brauch ist von fast allen Deinen Kirchengemeinden und auch sonst auf dem Erdkreis übernommen worden."

Über vierzehnhundert Jahre später ließ die Kaiserin Maria Theresia den Milanesen das Teatro alla Scala erbauen, um die politisch erregten Gemüter zu besänftigen.
Wenige Jahre später erklang der Chor "Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen", der den Nerv des italienischen Staatsgefühls traf. Mit Verdis "Nabucco"-Uraufführung (1842) erhielten die Italiener eine Melodie, die sie in ihrem Kampf um Unabhängigkeit und Einheit immer wieder ermutigte.

Von jenen ersten Gesängen der erschreckten, ermüdeten und dennoch leidenschaftlich bewegten Mailänder und der kurz darauf gegründeten "Schola cantorum" , die die Ideen des Ambrosius weiterentwickelten und Musiker ausbildeten, bis hin zu Gegenwart sind in der Mailänder Scala immer wieder neue Impulse gesetzt worden, die von großer Bedeutung waren.
Die Scala war nicht das erste Opernhaus, für das Maria Theresia ihre Zustimmung gab. Seit dem 15. Jahrhundert kann man in Mailand ein reges Musikleben beobachten. Die erste Opernaufführung " Il Paradiso ", welches ein Festspiel mit Musik war, fand um 1500 im Kastell der Sforza statt, während der Hochzeitsfeier von Gian Galeazzo Sforza mit Isabella von Aragon. Die Bühnenbilder zu diesem Festspiel entwarf kein geringerer als Leonardo da Vinci, dessen Denkmal heute auf dem Platz vor der Scala zu sehen ist.
        Von da an war es schon fast zur Gewohnheit geworden Konzerte und kleine Aufführungen in sämtlichen Häusern der Stadt zu geben. Der damals spanische Gouverneur Juan Fernandez de Valsco beschloß den Bau eines neuen Theaters. Dieses war das "Teatro del Corte", welches am 8. Dezember 1598 zur Hochzeitsfeier von Margarethe von Österreich mit Philipp III eingeweiht wurde.
Dieses Teatro diente zu vielen Zwecken, u. a. auch als Reitbahn, wurde dann aber 1613 besser für Bühnenzwecke umgebaut. In dem knappen Jahrhundert, welches die Lebensdauer dieses Theater war, zog Pulcinella in Mailand ein und fand bald einen milaneser Bruder: den Meneghin.

Aber auch die neuen Impulse, die von der "Camerata" in Florenz ausgegangen waren, in Rom und Venedig mit den Werken Monteverdis, Stradellas und Scarlatti den Weg zum großen Melodrama und zur Oper bereiteten, fanden Aufnahme bei dem Publikum.
Das "Teatro del Corte" wurde am 5. Januar 1708 durch einen Brand zerstört.
Während man noch über den Wiederaufbauarbeiten brütete, entstand das Teatro Regio Ducale, das am Stephanstag 1717 eingeweiht wurde. Dort wurden bis 1776 Werke von Pergolesi, Hasse, Porpora, Galuppi und Mozart aufgeführt.
In der Geschichte Mailands gilt das Teatro del Corte als Vorgängerin der Scala.
Und das Teatro Regio Ducale sollte am 25. Februar 1776 das gleiche Schicksal ereilen wie das Teatro del Corte: ein Brand.
Im "Ca'de can", dem Gebäude, in dem der Fürst Bernabo Visconti seine Jagdhunde hielt, wurde ein provisorisches Theater eingerichtet, gleichzeitig dazu wurde der Hofarchitekt Guiseppe Piermarini mit einem neuen Bau beauftragt.
Das mag seine "Probearbeit" im Theaterbau gewesen sein. Denn inzwischen hatte die österreichische Kaiserin am 15. Juli 1776 den Plan für ein großes neues Theater gebilligt und schenkte dazu das Gebäude der Scuola Cannobiana. Die Mailänder Adelsfamilien, die schon im zerstörten Theater ihre Logen gehabt hatten, brachten in kürzester Zeit die stattliche Summe von eineinhalb Millionen Lire auf; das Komitee von zwölf Nobili, das sich zuvor für alle notwendigen Verhandlungen und Vorarbeiten kümmerte, wählte ein Triumvirat als die Hauptverantwortlichen. Denn die Order der Kaiserin besagte, daß alle Kosten zu Lasten der Bürger gehen müssen und nicht das Geringste aus dem Staatsschatz hinzugefügt wird. Nachdem Maria Theresia aber die Pläne zum Bau gesehen hatte, war sie so begeistert, daß sie die Kosten für das Dach und die Außenmauern zusagte.
Doch das von ihr geschenkte Gelände reichte nicht. Um es zu vergrößern wurde die zerfallene Kirche Santa Maria in Porta Nuova , stets Santa Maria della Scala, so nach ihrer Stifterin Regina della Scala genannt, abgerissen.
Bei den Ausschachtungsarbeiten fand man ein Marmorrelief, den Pantomimen Pylades darstellend. Das wurde als gute Vorbedeutung genommen, da es zu jener Zeit Mode war, zu einem ausgezeichneten Darsteller, dem man das höchste Lob spenden wollte, zu sagen: "Du bist ein Pylades". Das Relief wurde der Talisman der Scala.

Die Kosten waren beachtlich hoch: an die Jesuiten hatte man für das zusätzliche Gelände 120 000 milaneser Lire bezahlt, an die Brüder Gallia, denen die Dekorationen übertragen worden waren, 85 000, die Bauunternehmer erhielten 494 400 Lire. Piermarini bekam insgesamt eintausendfünfhundert Zechinen. Um diese Gelder einzubringen wurden folgende Preise festgelegt:
200 Lire jährlich für die Logen der ersten beiden Ränge
130 Lire für die darüberliegenden
Außerdem mußten noch Eintrittbillette gekauft werden,
"gigliati" für die Vornehmsten
"gigliati" für das Volk
Ebenfalls mußte man noch 20 Lire für die "cappa nere", also die Bediensteten in den Logen, bezahlen.
Statt im Zeitraum von fünf Jahren wurde der Bau in dreiundzwanzig Monaten fertig gestellt, welches auch noch für die heutige Zeit eine Rekordzeit wäre.
Über die neo-klassische Fassade ist man zwar geteilter Meinung und kann dieses wohl auch sein, aber die Akustik allein genügt eigentlich schon, um Weltgeltung zu erlangen.

Die festliche Eröffnung des Theaters war auf den 3. August angesetzt. Der Erzherzog Johann und die Erzherzogin Maria Ricciarda Beatrice d'Este hatten zugesagt, der ersten Vorstellung im "Nuovo Regio Ducale Teatro di Milano" beizuwohnen. Unter diesem Namen wurde die Scala eröffnet. Dieser Name wurde aber schnell vergessen und berühmt wurde die Oper als Teatro alla Scala.
Ein deutliches Zeichen des Geistes Mailands wurde gesetzt durch die Oper, die zur Einweihung gespielt wurde: "L'Europa Riconosciuta" von Antonio Saleri.
Für die Pausen waren folgende Ballette einstudiert: "Pafo und Mirra, Die Gefangenen von Zypern" oder "Apollo placato."
  In ihrer wesentlichen Struktur sah die Scala damals kaum anders aus als heute, bis natürlich auf die Ausschmückung. Fünf von sechs Rängen waren in Logen eingeteilt, die in Besitz einzelner Familien waren. Die Holzverschalung durfte nur mit dem Familienwappen geschmückt werden, aber die Gestaltung des Inneren der Loge wurde den Familien selbst überlassen.
Die Tapezierung war in einheitlichen edel aussehenden roten Damast, der zu der elfenbeinfarbigen Rangverkleidung paßte, obwohl diese erst 1921 angebracht wurde.
Das Foyer war luxuriös mit Fresken und Spiegeln versehen, sowie eleganten Sesseln, Sofas und Tischen für die Tarock- und andere Spieler. Damals war es nämlich üblich, im Foyer zu spielen. Manchmal waren Spieler so erzürnt, daß sie ihren Unmut lautstark kund taten, und auf Grund der Lärmbelästigung mußten sogar die Vorstellungen unterbrochen werden.

 

Die Zeit Verdis

Die "Oberto"Uraufführung hatte einen großen Erfolg und wurde als "sehr Gut" bezeichnet, aber dennoch gab es keine Anzeichen, die darauf hinwiesen, daß mit Verdi eine neue Epoche des Melodramas beginnen sollte. Vielmehr ließ der Mißerfolg von Verdis zweitem Werk, "Il finto Stanislav", auf das Gegenteil schließen. Aber die Scala-Leitung ließ sich nicht beirren und gab ihm Soleras "Nabucco"-Libretto. Mit der Strepponi, der Bellinzaghi, mit Ronconi, Miraglia und Devivis wird die Oper am 9. März 1842 der endgültige Durchbruch für Verdi. Sowohl das breite Publikum als auch die Aristokratie war gewonnen und eine Freundschaft mit der Contessa Maffei bahnte sich an. Merelli verpflichtet den Komponisten mit einem Blanco-Vertrag und Verdi unterzeichnete.

"Nabucco" hatte fünfundsechzig Aufführungen. Auch "Die Lombarden" wurden am 11. Februar 1843 mit Enthusiasmus aufgenommen. Sechsundzwanzig Mal wird die Oper noch in der gleichen Spielzeit aufgeführt, und das nicht nur, weil der erste Akt vor Mailands Sant' Anbrogio spielt.

In dieser Zeit hatte sich alles gewandelt: die Stadt, das Leben und die Scala. Alle Schwierigkeiten des vorigen Jahrhunderts waren vergessen. Mailand entwickelte sich, verlor aber nie seinen eigenen Charakter. Die Scala hatte nicht nur 1830 die beiden Seitenflügel mit den Terrassen anbauen, sondern bereits 1814 die Bühne vergrößern müssen. Mit der Erneuerung der Logendekorationen verabschiedeten sich auch die gesellschaftlichen Ambitionen des 18. Jahrhunderts, von nun an war die Oper allen Bevölkerungsschichten zugänglich und auch beliebt. Je mehr Italien langsam zur Einheit und Unabhängigkeit heranreifte, desto mehr erkannte man im "Romanticismo" die dynamische Interpretation des eigenen Lebensgefühl: Trauer und Empörung, Leidenschaft, Hoffnung und Selbstvertrauen, vermischt mit der kindhaft ekstatischen Glaubensfähigkeit und dem " Tutto passa" ( alles geht vorüber). Verdi war der Genius dieser Zeit.

Wenn die Scala auch Subventionen von den Österreichern erhielt: sie war das Zentrum des Widerstands. Einst gegründet, um die politischen Spannungen zu besänftigen, war und blieb sie immer ein "milaneser" Theater, in dem alles verbreitet wurde, was

von der Zensur verboten wurde. Die Scala wird zu einem der Hauptinstrumente des Risorgimento italiano. Der Ruf " Viva Verdi" galt nicht nur dem Genie selbst, zugleich war er eine geheime Formel für alle, die die Freiheit und Einigung Italiens wollten. Vorlieben oder Abneigung für einen bestimmten Künstler waren nicht immer in dem rein Künstlerischen begründet, sondern oft auch Ausdruck der politischen Situation. In diesem Sinne hat Bedeutung, daß von Verdi und der Scala als einem Binom gesprochen wurde; in diesem Sinn gab es auch Künstler, deren Namen in der Scala einen ganz besonderen Klang hatten, wie z. B. Giuditta Pasta, Eugenio Gara, die Malibran, die Strepponi und Ronconi, von dem Verdi eine besonders hohe Meinung hatte. Verdis "Jean d'Arc "(1845), "Macht des Schicksals" (1869), "Falstaff" (1893) wurden ebenfalls in der Scala uraufgeführt.

In den Jahren von Verdi hatte sich auch das Ballett vervollkommnet. Die Schule hatte sich sowohl räumlich als auch zahlenmäßig vergrößert. Die Direktoren hatten seit der Gründung schon einige Stars für die internationalen Corps de ballet ausgebildet. Aber mit Fanni Cerritos erstem Auftreten 1835 begann eine neue Aera, die 1841 mit dem Scala-Debut der Taglioni wieder einmal eine leidenschaftliche Spaltung des Publikums erlitt." Hie Cerrito-Hie Taglioni!" war der Schlachtruf, und zwei Jahre wurden beide gleichermaßen angebetet. 1846 kündigt die Spielvorschau Fanny Elssler für den zweiten großen Ballettabend an. Zwei Jahre lang hat sie mit ihren Tänzen die größten Erfolge, nur ab und zu mit Pfiffen untermalt, weil sie eine Österreicherin war. Doch 1848, anläßlich der Premiere von Perrauts "Faust" spielt die politische Situation erneut eine Rolle auf der Bühne. Die Ballett-Elevinnen treten mit der Medaille Pius IX. auf, die Elssler verlangt, sie sollen sie ablegen. Das Publikum merkt, was "gespielt" wird und Mißfallenskundgebungen stürzen auf die österreichische Ballerina ein. Plötzlich wird sie zum Symbol der

österreichischen Unterdrückung und muß auch deshalb verschwinden, um sich und ihr Leben zu retten.

Die nächsten Jahre bleiben politisch hoch brisant. Um die Contessa Maffei und Verdi scharen sich die besten Köpfe des Risorgimento. Und junge Patrioten halten in den Straßen die Wagen der Österreicher, die in die Scala wollen, an, um diese zurückzuschicken. Schließlich kommt es 1860 während einer

"Norma"-Aufführung zu einem Skandal: während der Chor " Guerra, guerra" singt, springen Italiener auf die Bühne und schreien ebenfalls " Krieg, Krieg" . Die

Österreicher schreien auch " Krieg" und ziehen ihre Waffen. Dies sollte der Auftakt zum letzten entscheidenden Kampf um Italiens Freiheit sein.

Verdi hatte inzwischen "Die Lombarden" umgearbeitet und brachte sie unter dem Titel "Jerusalem" am 26. 12. 1850 neu heraus. Es folgt "Luise Miller (26.12.1851"); Die Vorstellung muß nicht hervorragend gewesen sein, dennoch blieb sie lange unvergeßlich, weil an diesem Abend zum ersten Mal Gaslampen brannten. Zwar nur im Zuschauerraum, und die Bühne schien mit der Öllampenbeleuchtung wie im Dunklen. Weitere Aufführungen waren "Rigolletto " am 18.1.1853, "Troubadour" (15.9.1853) , die "Räuber "(20.9.1853).

Am 4. Februar 1856 "Sizilianische Vesper", diesmal mischte sich die Zensur ein, wegen der Kämpfe in Sizilien mußte er die Oper in "Giovanni di Guzman" umtaufen und der Spielort wurde nach Portugal verlegt; aus Giovanni di Procida wurde ein Giovanni Pinto. Anstatt " Sicilia, ov' il tuo prisco valor" wurde "Lusitania, il tuo prisco valor" gesungen. Erst als die Oper 1864 wieder ins Programm aufgenommen wurde, konnte sie in ursprünglicher Gestalt gespielt werden.

Es folgten " Simone Boccanegra" und "La Traviata "1859, "Schlacht von Legnano " 1861 und am 8.1.1862 "Ein Maskenball."

Seit 1849 hatte eine neue Aera im Bühnenbild begonnen. Auf Sanquirico waren vier Mittelmäßige gefolgt; mit Carlo Ferrario aber gewann die Scala einen Bühnenbildner, der vierzig Jahre dem Theater treu bleiben sollte. Er war ein guter Maler mit ausgeprägter szenischer Phantasie, der wegen seiner Einfühlungsgabe von Verdi bevorzugt wurde. Aufmerksam verfolgte er auch sämtliche bühnentechnischen Erneuerungen, um den Bühnenapparat der Scala allen neuen Gegebenheiten jener erfindungsreichen Epoche anzupassen.

In der Spielzeit 1868/69 entschloß sich der damalige Impresario Giuseppe Bonola die Oper "Mephisto" von Arrigo Boito zu bringen, damit gab er einem neuen und neuerungsbereiten Talent Gelegenheit sich zu bewähren.

Der Name Boito ist untrennbar verbunden mit dem Namen seines Freundes Franco Faccio, der für das Orchester der Scala von größter Bedeutung war.

Bereits 1872 gelang es Faccio, die Zahl der Orchestermitglieder auf rund hundert zu steigern. 1875 hatte er mit einem Konzert einen so sensationellen Erfolg, daß er ermutigt wird, Auslandstourneen vorzubereiten. Und 1878 bestätigt ein Gastspiel in Paris,daß sein Orchester den ersten der Welt gleichzusetzen ist. Tourneen in Metropolen andrer Länder folgen. Unter dem Vorsitz von Giulio Ricordi wird die " Societe` Orchestrale della Scala" gegründet.

Faccio hatte nicht nur dies erreicht, er hatte auch die Konzerte in der Scala wirklich heimisch gemacht. Gleichzeitig hat er Opernaufführungen dirigiert, vor allem war er ein ausgezeichneter Verdi-Interpret und breitete manch neuem Komponisten den Weg. Neben Boito machte er die Milanesen mit Webers "Freischütz" (1872) bekannt, brachte "Aida" als erste europäische Aufführung heraus und die Uraufführungen der Opern des Brasilianers Gomez. Er war Förderer Ponchiellis, Smaraglias, Catalanis, Massas und Puccinis; durch ihn erschien Wagners "(Lohngrien)" zum ersten Mal auf italienischen Bühnen.

1887 dirigierte er die Uraufführung von Verdis "Othello" und verhilft der Oper kurz darauf auch in Rom zu einem Erfolg. Der Duca Torlani bietet ihm daraufhin einen Zehnjahresvertrag am Apollo-Theater in Rom, Faccio unterschreibt und als seine Freunde ihn schon auf dem Weg nach Rom ahnen, kehrt er zurück, weil er sich doch nicht von der Scala trennen kann.

1889, während der ersten italienischen "Meistersinger" Aufführung erkrankt er und stirbt 1891.

Verdi lehnt die Nachfolge Faccios ab, und Gaetano Coronaro wird der Nachfolger.

Unter Coronaro werden Wagners Opern im Spielplan der Scala endgültig heimisch, aber trotz der hervorragenden Solisten wie Erica Darclee, Adelina Stehle und Emma Caloi kündigt sich langsam eine Krise an.

Mit fieberhafter Spannung wird nach langer Schaffenspause die neue Oper des alten Haus- und Weltgenies Verdi, der "Falstaff" erwartet. Am 9.2.193 geht sie in Szene, in einem Theater, das

überfüllt ist von illustren Gästen und Kritikern aus aller Welt. Der Erfolg ist ein Triumph, aber er ist auch ein Abschied. Ein Abschied, der genauso schwer wiegt wie einst das Ausscheiden Faccios.

Toscanini

Es folgen zwar noch Ur- und Erstaufführungen (Massenets "Manon", "Werther", Giordanos"Andre Chenier", Mascagnis "Wilhelm Ratcliff," Puccinis "Boheme") unter fähigen Direktoren und Dirigenten wie Mascheroni, Herrari, Vanzo. Aber trotz aller Bemühungen kann eine Krise nicht aufgehalten werden.
Der Rat der Stadt Mailand beschließt nach heftigen Debatten, die Subventionen für die Scala zu streichen. Das so entstandene Finanzloch verhindert eine glanzvolle Saisoneröffnung am Stephanstag und die Scala muß geschlossen bleiben. Ebenfalls muß die Ballettschule und die Schule für Chorsänger schließen.
Ein Jahr lang fanden nur einige Konzerte statt. Aber inzwischen hatte Guido Visconti di Modrone sich mit einer Gruppe Mailänder Bürger zusammengetan, um die Finanzierung der Scala zu übernehmen. Die Verwaltung wird Guido Gatti Casazza übertragen, die künstlerische Leitung Arturo Toscanini.
Toscanini eröffnet mit Wagners "Meistersinger", und von diesem Tag an sind die Scala und Toscanini ein Begriff, auch wenn er zwischenzeitlich andere Aufgaben übernahm.
Aber obgleich Toscanini in der Spielpalngestaltung wie im Niveau der Aufführungen der Scala mehr noch als je das qualitative Gepräge gab, gegen jene Unsitte kämpfte er vergebens. Und in einer Aufführung des "Maskenball"ist die Grenze seiner Geduld erreicht: er legt den Taktstock hin, wartet mit gekreuzten Armen, daß das Publikum aufhöre "bis! bis!" (dacapo (Zugabe)) zu rufen. Da es aber nicht ruhig wird, verläßt er das Dirigentenpult und Pietro Sormani führt die Vorstellung zu Ende.
Doch 1905 kehrt er zurück und auf dem Spielplan ist zu lesen:" Die Direktion verbietet das Wiederholen der Arien." Außer ihm dirigieren viele Dirigenten der Zeit, wie Steinbach, Vanzo, Saporow, Mascagni, Niklisch, Bodianzky, Schuricht, Molinari u.a. Als Operndirigent verpflichte er sich erst, nachdem jenes öffentliche Verbot verkündet wurde.

"Aus moralischen und materiellen Gründen" setzt sich 1917 Umberto Visconti di Modrone, Nachfolger Guidos, für die Annullierung der bestehenden Verträge mit der Stadtverwaltung ein; das Theater wird "mobilisiert", und ein Jahr lang gibt es Opern- wie Schauspielaufführungen zugunsten der Verwundeten und Kriegswaisen.
Während der Uraufführung der Oper "La nave" von Montemezzi, im Herbst 1918, wird nach dem zweiten Akt unterbrochen: Tito Ricordi tritt an die Rampe und verkündet das Ende des Krieges.
Wieder sah sich die Scala einem ungewissen Schicksal gegenüber: die alten Verträge galten nicht mehr, dennoch gehörte sie zur Hälfte den Logenbesitzern, zur Hälfte der Stadt. 1919 begann man mit neuen Verhandlungen; gleichzeitig setzte sich der Direktor des Corriere della Sera" dafür ein, die Summe, die für Reformen notwendig war, mit Spenden zusammenzubringen. Der Ertrag war um zwei Millionen Lire höher als man angenommen hatte: sechs Millionen. Eine Kommission, bestehend aus dem Bürgermeister der Stadt, Vertretern der Bürger, der Spender und der Logenbesitzer, arbeitete, von Toscanini beraten, das Status des "Ente Autonomo Teatro Scala" aus, das 1921 legitimiert wird. Das "Ente Autonomo" ist eine Zwischenform von Staats- und Privattheater. Während des Faschismus erlitt der Vertrag einige Schwierigkeiten, aber nach 1945 trat er wieder völlig in Kraft. Am 26. Dezember 1921 wird die Scala mit einer in Erinnerung bleibenden
"Falstaff-Aufführung" wiedereröffnet.
Toscanini arbeitet bewußt auf ein breites Repertoire hin und begnügt sich mit einer Erstaufführung: Puccinis "Trittico" und bereitet gleichzeitig die Konzertsaison vor.
Seit dem Frühjahr 1922 ist die Spielzeit in zwei Hälften gegliedert. Mai bis Juni und die Zweite Ende September bis Ende November.
In den acht Jahren, in denen Toscanini Leiter der Scala war, erzog er seine Künstler gemäß seinem alten Prinzip der Demut gegenüber dem Kunstwerk und räumte eisern mit den Resten des Startums auf. Jede seiner Aufführungen ist beispielhaft, selbst Opern, die sehr kurzlebig waren. Ihm ist auch die Puccini-Renaissance und-Wertung zu verdanken. In der Spielzeit 1925/26 wird die nachgelassene, unvollendete "Turandot" durch ihn zu einem überwältigenden Erfolg, desgleichen seine Neugestaltung der "Butterfly", die 1904 so absolute Ablehnung gefunden hatte, aber auch seine Interpretation des Gluckschen "Orpheus".

Es ist eine der aufregendsten Spielzeiten der Scala: zum ersten Mal wird der ganze "Ring der Nibelungen" gespielt, Mussorgskys "Kowantschina", Strawinskys "Nachtigall, Petrouschka " und "Martyre de Saint Sebastie" von Debussy mit Ida Rubinstein.
Toscaninis dreißigjähriges Scala-Jubiläum wurde mit den "Meistersingern" gefeiert, und am 14.5.1929 Toscaninis letzte "Aida"-Interpretation.
Auf Grund des Faschismus verläßt er das Land und folgt dem Ruf an das Symphonie Orchester von New York, aber Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte er zurück.
   Ab 1936 ist die Autonomie nur noch auf dem Papier bestehend und von den 1921 festgelegten Privilegien ist nichts mehr übrig.Mit einem ausgezeichneten Team erwies sich die Scala auch jetzt stärker als alle administrativen Machenschaften des Regimes, auch überstand man den Mangel an großer Stimmen von bedeutenden Künstlern, denn der Ruf der Scala war so gefestigt, daß so etwas ihn nicht bedrohen konnte.
Dem Nachfolger Toscaninis De Sabata gelang 1930/31 mit einer gelungenen "Tristan"-Interpretation der Durchbruch.
Seine Erfolg hielt zusammen mit seinen Mitarbeitern bis 1943 an.
Während der Spielplanvorbereitung für die Saison 1943/44 vernichteten Bomber an einem Tag einen großen Teil der Scala-Magazine in Bovisa und machten die Scala zu einer traurigen Ruine. Der eiserne Vorhang schützte zwar die Bühne vor dem völligen Ausbrennen, doch vom Dach bis zu den Verwaltungsräumen war alles zerstört. Dennoch gab man nicht auf. Die Scala-Belegschaft wurde zuerst im Veatro Sociale in Como und dann im Teatro Donizetti in Bergamo untergebracht, bis man im März 1944 ins mailänder Teatro Lirico zog.
Den Sommer über fanden Konzerte im Lirico und im Castello Sforza statt. Gino Marinuzzi übernahm die Leitung für die Spielzeit 1944/45, die man zu größten teil Puccini widmete, da sich dessen Todestag zum zwanzigsten Mal jährte.
Nach dem Krieg beschloß man, daß die Scala wieder aufgebaut werden müsse, da ein Mailand ohne Scala undenkbar schien.
Am 11. Mai 1946 weihte Toscanini die neuerstandene Scala mit einem großen Konzert ein. Am 26. Dezember wird mit "Nabucco" die erste Nachkriegsspielzeit eröffnet. Tullio Serafin, der neben Ghiringelli zum künstlerischen Direktor ernannt wurde, dirigierte.
In allen Nachkriegsspielplänen ist zu erkennen, daß man das alte Scala Niveau nicht nur halten, sondern auch steigern wollte. Man gab traditionelle Werke, war aber auch offen für Erneuerungen und auch immer daran interessiert die neusten technischen Mittel einsetzten zu können. Toscanini kehrte bis zu seinem Abschied 1952 immer wieder mal an die Scala zurück, ebenso konnte man De Sabata, Walter, Furtwängler, Dobrown, v. Karajan, Bernstein und viele andrer an der Scala dirigieren sehen.
Die Scala konnte ihren Ruf halten und gilt auch noch heute, nachdem sie so viele politischen und gesellschaftlichen Probleme überstanden hat, zu den besten und schönsten Opernhäusern der Welt.

Quelle: Mailänder Scala

 


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