|
|
Die Mailänder Scala - Teatro alla Scala
Dennoch beim Betreten des ehrwürdigen Opernhauses verspürte ich sofort Glanz, eine erstaunliche Feierlichkeit und Ausstrahlung. Selten war mir dieses Gefühl widerfahren. Selbst das knarzen der Balken und der etwas merkwürdige Geruch in den Logen hat von der Eleganz dieses Hauses nichts genommen. Und als die Aufführung "Eugen Onegin" - von Tschaikowski pünktlich um 20.00 Uhr begann, dann war ich mir ganz sicher. Die Akustik, das Orchester und die Akteure überzeugten mich derart, so dass ich auch den "teuren" Eintrittspreis fast vergessen hatte. Es ist war - die Mailänder Scala - das Teatro alla Scala hat eine Ausstrahlung wie selten ein Opernhaus dieser Welt. Es ist trotz "Altersschwäche" das wohl bedeutendste und berühmteste Opernhaus der Welt. (....aus meinen Reisetagebüchern....gez. Paul Launer) Mit ihren über 2000 Plätzen gehört die Scala auch zu den größten Opernhäusern. 1776 bis 1778 wurde sie auf dem Gelände der Kirche Santa Maria della Scala erbaut. Bis heute revolutionär: die hängende und somit schwingende Decke, die den hinteren Rängen eine bessere Akustik beschert, als den Besuchern in den Logen.
Weitere Daten folgen:
Karten: Hier können Sie versuchen Karten über unsere Online-Datenbank zu erhalten. Nicht immer sind jedoch Karten für dieses berühmte Opernhaus dabei. Und so wird es gemacht: Wenn Sie auf den unteren Kartenlink geklickt haben, dann erscheint in diesem Fenster eine Datenbank. Hier können Sie dann ganz rechts die Kategorien Opern/Ballett bzw. Klassik wählen. Wenn Sie bei Opern/Ballett nichts finden auch bei Klassik probieren. Wie gesagt: Es ist etwas Glücksache dabei. Karten suchen? Dann hier klicken.
D-73499 Wört Es ist kein Wunder, daß die Scala zu einer der berühmtesten
Opernhäuser der Welt wurde, und es ist auch kein Wunder, daß die Scala in der
lombardischen Hauptstadt entstand, denn schließlich gilt Mailand ja als die
Stadt, in der die Wurzeln der europäischen Musik zu suchen sind und in der
diese Musik auch erste Erfolge feierte. Über vierzehnhundert Jahre später ließ die Kaiserin
Maria Theresia den Milanesen das Teatro alla Scala erbauen, um die politisch
erregten Gemüter zu besänftigen. Von jenen ersten Gesängen der erschreckten, ermüdeten
und dennoch leidenschaftlich bewegten Mailänder und der kurz darauf gegründeten
"Schola cantorum" , die die Ideen des Ambrosius weiterentwickelten und
Musiker ausbildeten, bis hin zu Gegenwart sind in der Mailänder Scala immer
wieder neue Impulse gesetzt worden, die von großer Bedeutung waren. Aber auch die neuen Impulse, die von der "Camerata"
in Florenz ausgegangen waren, in Rom und Venedig mit den Werken Monteverdis,
Stradellas und Scarlatti den Weg zum großen Melodrama und zur Oper bereiteten,
fanden Aufnahme bei dem Publikum. Die Kosten waren beachtlich hoch: an die Jesuiten hatte
man für das zusätzliche Gelände 120 000 milaneser Lire bezahlt, an die Brüder
Gallia, denen die Dekorationen übertragen worden waren, 85 000, die
Bauunternehmer erhielten 494 400 Lire. Piermarini bekam insgesamt eintausendfünfhundert
Zechinen. Um diese Gelder einzubringen wurden folgende Preise festgelegt: Die festliche Eröffnung des Theaters war auf den 3.
August angesetzt. Der Erzherzog Johann und die Erzherzogin Maria Ricciarda
Beatrice d'Este hatten zugesagt, der ersten Vorstellung im "Nuovo Regio
Ducale Teatro di Milano" beizuwohnen. Unter diesem Namen wurde die Scala eröffnet.
Dieser Name wurde aber schnell vergessen und berühmt wurde die Oper als Teatro
alla Scala.
Die Zeit Verdis Die "Oberto"Uraufführung hatte einen großen Erfolg und wurde als "sehr Gut" bezeichnet, aber dennoch gab es keine Anzeichen, die darauf hinwiesen, daß mit Verdi eine neue Epoche des Melodramas beginnen sollte. Vielmehr ließ der Mißerfolg von Verdis zweitem Werk, "Il finto Stanislav", auf das Gegenteil schließen. Aber die Scala-Leitung ließ sich nicht beirren und gab ihm Soleras "Nabucco"-Libretto. Mit der Strepponi, der Bellinzaghi, mit Ronconi, Miraglia und Devivis wird die Oper am 9. März 1842 der endgültige Durchbruch für Verdi. Sowohl das breite Publikum als auch die Aristokratie war gewonnen und eine Freundschaft mit der Contessa Maffei bahnte sich an. Merelli verpflichtet den Komponisten mit einem Blanco-Vertrag und Verdi unterzeichnete. "Nabucco" hatte fünfundsechzig Aufführungen. Auch "Die Lombarden" wurden am 11. Februar 1843 mit Enthusiasmus aufgenommen. Sechsundzwanzig Mal wird die Oper noch in der gleichen Spielzeit aufgeführt, und das nicht nur, weil der erste Akt vor Mailands Sant' Anbrogio spielt. In dieser Zeit hatte sich alles gewandelt: die Stadt, das Leben und die Scala. Alle Schwierigkeiten des vorigen Jahrhunderts waren vergessen. Mailand entwickelte sich, verlor aber nie seinen eigenen Charakter. Die Scala hatte nicht nur 1830 die beiden Seitenflügel mit den Terrassen anbauen, sondern bereits 1814 die Bühne vergrößern müssen. Mit der Erneuerung der Logendekorationen verabschiedeten sich auch die gesellschaftlichen Ambitionen des 18. Jahrhunderts, von nun an war die Oper allen Bevölkerungsschichten zugänglich und auch beliebt. Je mehr Italien langsam zur Einheit und Unabhängigkeit heranreifte, desto mehr erkannte man im "Romanticismo" die dynamische Interpretation des eigenen Lebensgefühl: Trauer und Empörung, Leidenschaft, Hoffnung und Selbstvertrauen, vermischt mit der kindhaft ekstatischen Glaubensfähigkeit und dem " Tutto passa" ( alles geht vorüber). Verdi war der Genius dieser Zeit. Wenn die Scala auch Subventionen von den Österreichern erhielt: sie war das Zentrum des Widerstands. Einst gegründet, um die politischen Spannungen zu besänftigen, war und blieb sie immer ein "milaneser" Theater, in dem alles verbreitet wurde, was von der Zensur verboten wurde. Die Scala wird zu einem der Hauptinstrumente des Risorgimento italiano. Der Ruf " Viva Verdi" galt nicht nur dem Genie selbst, zugleich war er eine geheime Formel für alle, die die Freiheit und Einigung Italiens wollten. Vorlieben oder Abneigung für einen bestimmten Künstler waren nicht immer in dem rein Künstlerischen begründet, sondern oft auch Ausdruck der politischen Situation. In diesem Sinne hat Bedeutung, daß von Verdi und der Scala als einem Binom gesprochen wurde; in diesem Sinn gab es auch Künstler, deren Namen in der Scala einen ganz besonderen Klang hatten, wie z. B. Giuditta Pasta, Eugenio Gara, die Malibran, die Strepponi und Ronconi, von dem Verdi eine besonders hohe Meinung hatte. Verdis "Jean d'Arc "(1845), "Macht des Schicksals" (1869), "Falstaff" (1893) wurden ebenfalls in der Scala uraufgeführt. In den Jahren von Verdi hatte sich auch das Ballett vervollkommnet. Die Schule hatte sich sowohl räumlich als auch zahlenmäßig vergrößert. Die Direktoren hatten seit der Gründung schon einige Stars für die internationalen Corps de ballet ausgebildet. Aber mit Fanni Cerritos erstem Auftreten 1835 begann eine neue Aera, die 1841 mit dem Scala-Debut der Taglioni wieder einmal eine leidenschaftliche Spaltung des Publikums erlitt." Hie Cerrito-Hie Taglioni!" war der Schlachtruf, und zwei Jahre wurden beide gleichermaßen angebetet. 1846 kündigt die Spielvorschau Fanny Elssler für den zweiten großen Ballettabend an. Zwei Jahre lang hat sie mit ihren Tänzen die größten Erfolge, nur ab und zu mit Pfiffen untermalt, weil sie eine Österreicherin war. Doch 1848, anläßlich der Premiere von Perrauts "Faust" spielt die politische Situation erneut eine Rolle auf der Bühne. Die Ballett-Elevinnen treten mit der Medaille Pius IX. auf, die Elssler verlangt, sie sollen sie ablegen. Das Publikum merkt, was "gespielt" wird und Mißfallenskundgebungen stürzen auf die österreichische Ballerina ein. Plötzlich wird sie zum Symbol der österreichischen Unterdrückung und muß auch deshalb verschwinden, um sich und ihr Leben zu retten. Die nächsten Jahre bleiben politisch hoch brisant. Um die Contessa Maffei und Verdi scharen sich die besten Köpfe des Risorgimento. Und junge Patrioten halten in den Straßen die Wagen der Österreicher, die in die Scala wollen, an, um diese zurückzuschicken. Schließlich kommt es 1860 während einer "Norma"-Aufführung zu einem Skandal: während der Chor " Guerra, guerra" singt, springen Italiener auf die Bühne und schreien ebenfalls " Krieg, Krieg" . Die Österreicher schreien auch " Krieg" und ziehen ihre Waffen. Dies sollte der Auftakt zum letzten entscheidenden Kampf um Italiens Freiheit sein. Verdi hatte inzwischen "Die Lombarden" umgearbeitet und brachte sie unter dem Titel "Jerusalem" am 26. 12. 1850 neu heraus. Es folgt "Luise Miller (26.12.1851"); Die Vorstellung muß nicht hervorragend gewesen sein, dennoch blieb sie lange unvergeßlich, weil an diesem Abend zum ersten Mal Gaslampen brannten. Zwar nur im Zuschauerraum, und die Bühne schien mit der Öllampenbeleuchtung wie im Dunklen. Weitere Aufführungen waren "Rigolletto " am 18.1.1853, "Troubadour" (15.9.1853) , die "Räuber "(20.9.1853). Am 4. Februar 1856 "Sizilianische Vesper", diesmal mischte sich die Zensur ein, wegen der Kämpfe in Sizilien mußte er die Oper in "Giovanni di Guzman" umtaufen und der Spielort wurde nach Portugal verlegt; aus Giovanni di Procida wurde ein Giovanni Pinto. Anstatt " Sicilia, ov' il tuo prisco valor" wurde "Lusitania, il tuo prisco valor" gesungen. Erst als die Oper 1864 wieder ins Programm aufgenommen wurde, konnte sie in ursprünglicher Gestalt gespielt werden. Es folgten " Simone Boccanegra" und "La Traviata "1859, "Schlacht von Legnano " 1861 und am 8.1.1862 "Ein Maskenball." Seit 1849 hatte eine neue Aera im Bühnenbild begonnen. Auf Sanquirico waren vier Mittelmäßige gefolgt; mit Carlo Ferrario aber gewann die Scala einen Bühnenbildner, der vierzig Jahre dem Theater treu bleiben sollte. Er war ein guter Maler mit ausgeprägter szenischer Phantasie, der wegen seiner Einfühlungsgabe von Verdi bevorzugt wurde. Aufmerksam verfolgte er auch sämtliche bühnentechnischen Erneuerungen, um den Bühnenapparat der Scala allen neuen Gegebenheiten jener erfindungsreichen Epoche anzupassen. In der Spielzeit 1868/69 entschloß sich der damalige Impresario Giuseppe Bonola die Oper "Mephisto" von Arrigo Boito zu bringen, damit gab er einem neuen und neuerungsbereiten Talent Gelegenheit sich zu bewähren. Der Name Boito ist untrennbar verbunden mit dem Namen seines Freundes Franco Faccio, der für das Orchester der Scala von größter Bedeutung war. Bereits 1872 gelang es Faccio, die Zahl der Orchestermitglieder auf rund hundert zu steigern. 1875 hatte er mit einem Konzert einen so sensationellen Erfolg, daß er ermutigt wird, Auslandstourneen vorzubereiten. Und 1878 bestätigt ein Gastspiel in Paris,daß sein Orchester den ersten der Welt gleichzusetzen ist. Tourneen in Metropolen andrer Länder folgen. Unter dem Vorsitz von Giulio Ricordi wird die " Societe` Orchestrale della Scala" gegründet. Faccio hatte nicht nur dies erreicht, er hatte auch die Konzerte in der Scala wirklich heimisch gemacht. Gleichzeitig hat er Opernaufführungen dirigiert, vor allem war er ein ausgezeichneter Verdi-Interpret und breitete manch neuem Komponisten den Weg. Neben Boito machte er die Milanesen mit Webers "Freischütz" (1872) bekannt, brachte "Aida" als erste europäische Aufführung heraus und die Uraufführungen der Opern des Brasilianers Gomez. Er war Förderer Ponchiellis, Smaraglias, Catalanis, Massas und Puccinis; durch ihn erschien Wagners "(Lohngrien)" zum ersten Mal auf italienischen Bühnen. 1887 dirigierte er die Uraufführung von Verdis "Othello" und verhilft der Oper kurz darauf auch in Rom zu einem Erfolg. Der Duca Torlani bietet ihm daraufhin einen Zehnjahresvertrag am Apollo-Theater in Rom, Faccio unterschreibt und als seine Freunde ihn schon auf dem Weg nach Rom ahnen, kehrt er zurück, weil er sich doch nicht von der Scala trennen kann. 1889, während der ersten italienischen "Meistersinger" Aufführung erkrankt er und stirbt 1891. Verdi lehnt die Nachfolge Faccios ab, und Gaetano Coronaro wird der Nachfolger. Unter Coronaro werden Wagners Opern im Spielplan der Scala endgültig heimisch, aber trotz der hervorragenden Solisten wie Erica Darclee, Adelina Stehle und Emma Caloi kündigt sich langsam eine Krise an. Mit fieberhafter Spannung wird nach langer Schaffenspause die neue Oper des alten Haus- und Weltgenies Verdi, der "Falstaff" erwartet. Am 9.2.193 geht sie in Szene, in einem Theater, das überfüllt ist von illustren Gästen und Kritikern aus aller Welt. Der Erfolg ist ein Triumph, aber er ist auch ein Abschied. Ein Abschied, der genauso schwer wiegt wie einst das Ausscheiden Faccios. Toscanini Es folgen zwar noch Ur- und Erstaufführungen (Massenets "Manon", "Werther", Giordanos"Andre Chenier", Mascagnis "Wilhelm Ratcliff," Puccinis "Boheme") unter fähigen Direktoren und Dirigenten wie Mascheroni, Herrari, Vanzo. Aber trotz aller Bemühungen kann eine Krise nicht aufgehalten werden.Der Rat der Stadt Mailand beschließt nach heftigen Debatten, die Subventionen für die Scala zu streichen. Das so entstandene Finanzloch verhindert eine glanzvolle Saisoneröffnung am Stephanstag und die Scala muß geschlossen bleiben. Ebenfalls muß die Ballettschule und die Schule für Chorsänger schließen. Ein Jahr lang fanden nur einige Konzerte statt. Aber inzwischen hatte Guido Visconti di Modrone sich mit einer Gruppe Mailänder Bürger zusammengetan, um die Finanzierung der Scala zu übernehmen. Die Verwaltung wird Guido Gatti Casazza übertragen, die künstlerische Leitung Arturo Toscanini. Toscanini eröffnet mit Wagners "Meistersinger", und von diesem Tag an sind die Scala und Toscanini ein Begriff, auch wenn er zwischenzeitlich andere Aufgaben übernahm. Aber obgleich Toscanini in der Spielpalngestaltung wie im Niveau der Aufführungen der Scala mehr noch als je das qualitative Gepräge gab, gegen jene Unsitte kämpfte er vergebens. Und in einer Aufführung des "Maskenball"ist die Grenze seiner Geduld erreicht: er legt den Taktstock hin, wartet mit gekreuzten Armen, daß das Publikum aufhöre "bis! bis!" (dacapo (Zugabe)) zu rufen. Da es aber nicht ruhig wird, verläßt er das Dirigentenpult und Pietro Sormani führt die Vorstellung zu Ende. Doch 1905 kehrt er zurück und auf dem Spielplan ist zu lesen:" Die Direktion verbietet das Wiederholen der Arien." Außer ihm dirigieren viele Dirigenten der Zeit, wie Steinbach, Vanzo, Saporow, Mascagni, Niklisch, Bodianzky, Schuricht, Molinari u.a. Als Operndirigent verpflichte er sich erst, nachdem jenes öffentliche Verbot verkündet wurde. "Aus moralischen und materiellen Gründen" setzt
sich 1917 Umberto Visconti di Modrone, Nachfolger Guidos, für die Annullierung
der bestehenden Verträge mit der Stadtverwaltung ein; das Theater wird
"mobilisiert", und ein Jahr lang gibt es Opern- wie Schauspielaufführungen
zugunsten der Verwundeten und Kriegswaisen. Es ist eine der aufregendsten Spielzeiten der Scala: zum
ersten Mal wird der ganze "Ring der Nibelungen" gespielt, Mussorgskys
"Kowantschina", Strawinskys "Nachtigall, Petrouschka " und
"Martyre de Saint Sebastie" von Debussy mit Ida Rubinstein. Quelle: Mailänder Scala
|
|
D-73499 Wört |