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Hamburgische Staatsoper 

17. Jahrhundert

Bürgerliches Selbstbewußtsein und kaufmännische Gewandtheit spiegeln sich in der über dreihundertjährigen Geschichte des Hamburger Opernhauses wider. Mit dem Singspiel "Adam und Eva oder Der Erschaffene, Gefallene und Aufgerichtete Mensch", ein Singspiel nach Richter mit Musik von Johann Theile, wird das "Opern-Theatrum" am 2. Januar 1678 eröffnet.

Der langgestreckte, einem Schuppen ähnelnde Holzbau des italienischen Baumeisters Sartorio stand zwischen Jungfernstieg - Ecke Gänsemarkt und den Collonaden. Es war das erste öffentliche Opernhaus in Deutschland. Opernaufführungen gab es bis dahin nur an Höfen, zugänglich einem ausgewählten und geladenen Publikum. Kunstliebende Hamburger, darunter Ratsherr Gerhard Schott, der Jurist Peter Lütjens und der Organist Johann Adam Reinken setzten die Gründung des Theaters, das auf privatwirtschaftlicher Basis geführt werden sollte, durch und bildeten das erste Direktorium. 

18. Jahrhundert

Die Hamburger Oper wurde zu einem führenden musikalischen Zentrum des Barockzeitalters. Dies dokumentieren Aufführungen von Opern Reinhard Keisers, Thomas Selles, Johann Matthesons und Georg Friedrich Händels Verpflichtung an die Oper: Händel war 1703 als Geiger und Cembalist engagiert. 1705 fand die Uraufführung seiner ersten Oper "Almira" statt. Die ständigen Attacken pietistisch orientierter Theologen, die auf die ihrer Meinung nach nur der Sinnlichkeit verpflichteten Oper nicht gut zu sprechen waren, finanzielle Mißwirtschaft und das geringe Interesse der Bürger an den Aufführungen führten schließlich dazu, daß das Haus 1738 als selbständiges Unternehmen geschlossen wird. Bis zum endgültigen Abriß des Hauses 1763 diente es vor allem durchziehenden Komödiantentruppen als Spielort. So wird auch die italienische Oper in Hamburg heimisch. Der zweiunddreißigjährige Christoph Willibald Gluck beispielsweise kam 1748 mit der Operntruppe Antonio Mingottis nach Hamburg.

Am 31. Juli 1756 wird auf Initiative Konrad Ernst Ackermanns auf dem Platz des abgebrochenen Opernhauses das "Ackermann'sche Comödiantenhaus" eröffnet. Einen reinen Opernbetrieb nahm man nicht mehr auf, sondern mischte Musiktheater und Schauspiel. Seit 1767 hieß das Theater auf Lessings Einfluß hin "Deutsches Nationaltheater". Lessing war bis 1797 Dramaturg an der Oper und gab während dieser Tätigkeit seine "Hamburger Dramaturgie" heraus.

Friedrich Ludwig Schröder, der die Direktion 1771 übernahm und sie mit Unterbrechungen bis 1812 innehatte, förderte vor allem das Schauspiel. Glanzvolle Aufführungen von Stücken Lessings, Schillers, Goethes und deutsche Erstaufführungen großer Shakespeare-Dramen dominierten gegenüber den Singspielen von Christian Weiße und Johann Adam Hiller. 1781 fand die erste Aufführung einer Mozart-Oper statt: die "Entführung aus dem Serail", 1789 folgte der "Don Giovanni", in dem Mozarts Schwägerin Aloysia Lange sang, 1791 die "Hochzeit des Figaro" und 1793 die "Zauberflöte". 

19. Jahrhundert

Seit 1810 hieß das Haus dann "Hamburgisches Stadt-Theater". Bis 1827 gehörten die Aufführungen von Beethovens "Fidelio" (1816), Rossinis "Barbier von Sevilla" (1812) und Webers "Freischütz" (1822) zu den Höhepunkten. 1827 hatte der alte Holzbau am Gänsemarkt ausgedient. Mit Goethes "Egmont" und der dazugehörigen Schauspielmusik von Ludwig van Beethoven wurde das neue "Stadt-Theater" nach Plänen Carl Friedrich Schinkels am 3. Mai 1827 am Platz der heutigen Staatsoper in der Dammtorstraße eröffnet. Zu den herausragenden Ereignissen der nächsten Jahrzehnte gehörten Wilhelmine Schröder-Devrients Gastspiel in Beethovens "Fidelio" (1832), die Aufführung der "Vestalin" von Gasparo Spontini unter der Leitung des Komponisten (1834) und die Konzerte von Niccoló Paganini (1830) und Franz Liszt (1840). Friedrich von Flotow bringt seinen "Alessandro Stradella" zur Uraufführung (1844), Fanny Elßler tanzt die Sylphide im gleichnamigen Ballett, und Richard Wagner inszeniert und dirigiert seinen "Rienzi" (1844). Mit dem "Nabucco" wird 1844 erstmals eine Oper Verdis in Deutschland uraufgeführt.

Nicht nur Erfolge kennzeichnen die Geschichte der Oper in diesem Jahrzehnt. Immer wieder steht das Haus kurz vor dem finanziellen Ruin. Als Retter in der Not erweist sich Bernhard Pollini, unter dessen Leitung das Theater eine Glanzzeit erlebt. Der routinierte Theaterdirektor übernimmt 1873 die Führung des Hauses. Er setzt es durch, daß das Theater erstmals Gelder von der öffentlichen Hand erhält. Unter seiner Leitung wird die Aufführungstradition von Opern Verdis und Wagners mit "Aida" (1876) und dem "Ring des Nibelungen" (1878) fortgesetzt. Die deutsche Erstaufführung von Verdis "Otello" und Tschaikowskys "Eugen Onegin" (1892) finden in Hamburg statt. Eine glückliche Hand hatte Pollini auch mit den musikalischen Leitern. Nach Hans von Bülow (1887-1890) übernimmt Gustav Mahler 1891 für sechs Jahre die musikalische Leitung. Mahler macht die Oper mit dreizehn Neuerscheinungen in der Saison 1896/97 zu einem musikalischen Zentrum von Rang. 

20.Jahrhundert

Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde das Theater eine Hochburg für Strauss und Wagner, aber auch Hindemiths "Santa Susanna", Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" und Janáceks "Jenufa" wurden in den Spielplan aufgenommen. Der Tenor Enrico Caruso, die Dirigenten Arthur Nikisch und Eugen d'Albert waren regelmäßig an der Oper zu Gast. Unter der Direktion von Heinrich K. Strohm, der das Theater 1933 übernommen hatte, firmierte die Oper ab 1934 als "Hamburgische Staatsoper". Während des Krieges wird der Zuschauerraum durch Luftangriffe völlig zerstört, nur das Bühnenhaus bleibt erhalten. Bereits drei Jahre später, am 9. Januar 1946, konnte ein Interimstheater mit Mozarts "Hochzeit des Figaro" eröffnet werden. Im Februar 1953 begann der Abbruch der Vorderhaus-Ruine. Nach Plänen des Architekten Gerhard Weber entsteht ein neues Zuschauerhaus , das am 15. Oktober 1955 mit Mozarts "Zauberflöte" in der Inszenierung von Günther Rennert eröffnet wird. Günther Rennert, seit 1946 Operndirektor in Hamburg, wurde im Jahre 1948 zum Intendanten ernannt. Ihm war es u. a. zu verdanken, daß die regelmäßige Aufführung zeitgenössischer Werke ins Zentrum der Nachkriegsgeneration an der Hamburgischen Staatsoper rückte.

Als Nachfolger Günther Rennerts wirkte zunächst von 1956-1959 Heinz Tietjen, im Anschluß daran begann die vierzehn Jahre währende Ära Liebermann. Rolf Liebermann prägte nicht nur die Hamburger, sondern auch die internationale Opernwelt durch die konsequente Vergabe von Kompositionsaufträgen, angefangen bei Hans Werner Henzes "Prinz von Homburg" (Spielzeit 59/60) bis zu Mauricio Kagels "Staatstheater" (Spielzeit 72/73). In der "Woche des zeitgenössischen Musiktheaters" im Februar 1961 fanden innerhalb von acht Tagen neun Aufführungen moderner Musiktheaterproduktionen statt, Brittens "Sommernachtstraum", Bergs "Lulu" und "Wozzeck" und Liebermanns "Schule der Frauen". Unter Liebermanns Ägide begann in Hamburg die Weltkarriere des Tenors Placido Domingo.

Der neue Generalmusikdirektor Horst Stein (1972-1977) machte sich insbesondere als hervorragender Wagner-Dirigent einen Namen. Von 1973 bis 1977 leitete August Everding das Haus; in dieser Zeit vernichtete eine Brandkatastrophe am 1.11. 1975 fast den gesamten Fundus im Wert von 25 Millionen Mark. Mit der "Opera Stabile" entstand 1975 eine Experimentierbühne für zeitgenössisches Ballett- und Musiktheater. August Everding holte Götz Friedrich (als Opernleiter) und John Neumeier (als Ballettdirektor) nach Hamburg. Mit Werkstattveranstaltungen in der Reihe "Musiktheater in der Diskussion", Gesprächen mit dem Publikum und engen Kontakten zu den Schulen setzte Everding in seiner erfolgreichen Arbeit einige neue Akzente. Ein Gastspiel in Israel mit Schönbergs "Moses und Aron" und einigen Ballettaufführungen war in der Spielzeit 74/75 ein Höhepunkt in Everdings Wirken. Als exzellente Mozart-Sängerin hörte man während seiner Intendanz Edith Mathis, Peter Schreier und Hermann Prey. Unter John Neumeier gelangte das Hamburger Ballett zu großem Ansehen.

1977 übernahm Christoph von Dohnányi als Intendant und Chefdirigent die Leitung des Hauses. Er erweiterte das Repertoire durch weniger häufig gespielte Werke und interessiert profilierte Regisseure des Schauspiels für die Arbeit mit der Oper. Die meisten Aufführungen wurden in gleicher Besetzung nach intensiven Proben in kurzer Abfolge gespielt ("Seriensystem"). Am 2. Januar 1978 wurde das 300jährige Jubiläum der Oper in Hamburg in der Anwesenheit des Bundespräsidenten festlich begangen. 1984 übernimmt Kurt Horres für kurze Zeit die Intendanz, bis 1985 der "Traum-Intendant" Rolf Liebermann zurückgeholt wird. Im Mai 1984 gastiert die Hamburgische Staatsoper für einen Monat in verschiedenen Städten Japans.

In der Spielzeit 88/89 übernahmen Peter Ruzicka und Gerd Albrecht die Leitung des Hauses. Bereits in der ersten Spielzeit wurde Franz Schrekers "Schatzgräber" in der Inszenierung von Günter Krämer und unter der musikalischen Leitung von Gerd Albrecht nach Kritikerumfrage der Zeitschrift "Opernwelt" als "mehrfach genannter Spielzeithöhepunkt" bezeichnet, ebenso wie die Inszenierung des "Tannhäuser" unter der Regie von Harry Kupfer 1990. Die Hamburgische Staatsoper gehört heute zu den führenden Opernhäusern - nicht zuletzt auch durch ihr Ballettensemble, das John Neumeier als Ballettdirektor seit 1973 zu internationaler Anerkennung geführt hat. Zudem erregte die Staatsoper immer wieder durch ihre intensive und richtungsweisende Beschäftigung mit zeitgenössischen Werken Aufsehen: so fand beispielsweise im Februar 1992 die Welturaufführung von Wolfgang Rihms Musiktheater "Die Eroberung von Mexico", und 1997 die Welturaufführung von Helmut Lachenmanns "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" statt, beides Auftragswerke der Hamburgischen Staatsoper.

 

Mit Beginn der Saison 1997/98 übernehmen Dr. Albin Hänseroth als Intendant, Detlef Meierjohann als Direktor und Ingo Metzmacher als Generalmusikdirektor die Hamburgische Staatsoper. Unter den Premieren der ersten Saison waren hochgelobte Produktionen wie Wagners "Lohengrin" in der spektakulären Regie von Peter Konwitschny mit Eva Marton, Inga Nielsen, Thomas Moser und anderen weltberühmten Sängern und Leos Janáceks "Jenufa" in der von Presse und Publikum hymnisch gefeierten Inszenierung von Olivier Tambosi mit Karita Mattila, Eva Marton, Jan Blinkhof, Albert Bonnema. Die Saison 1998/99 begann mit dem richtungsweisenden "Wozzeck" (Alban Berg) von Peter Konwitschny (Regie) und Ingo Metzmacher (Musikalische Leitung) mit Bo Skovhus als Wozzeck und Angela Denoke als Marie.

Ein weiterer Höhepunkt der Saison waren "Les Contes d'Hoffmann" (Jacques Offenbach) von Andreas Baesler (Regie) und Ingo Metzmacher (Musikalische Leitung), die nicht nur wegen der Uraufführung des wiederentdeckten Giulietta-Finales zum Opernereignis des Jahres wurden.

Das Erfolgsteam Metzmacher/Konwitschny wurde für die gemeinsame Arbeit im Herbst 1998 mit gleich drei renommierten Preisen ausgezeichnet: Für den "Lohengrin" erhielt die Hamburgische Staatsoper den Bayerischen Theaterpreis, Ingo Metzmacher wurde von der Zeitschrift "Opernwelt" zum Dirigenten des Jahres gekürt, Peter Konwitschny zum Regisseur des Jahres. Außerdem erhielt Ingo Metzmacher im Oktober den Klassik-Echo. 

Zum Ende der Saison 1998/99 ist Dr. Albin Hänseroth als Intendant ausgeschieden, die Künstlerische Leitung hat nunmehr Ingo Metzmacher. 

 

Quelle: Hamburgische Staatsoper

 

 


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