Vec Makropulos
Oper
in drei Akten
Text:
Leos Janacek nach der Komödie von Karel Capek
Uraufführung:
18. Dezember 1926, Nationaltheater Brünn
Handlung:
1.
Akt: Das
Zimmer des Rechtsanwaltsgehilfen Vitek in der Kanzlei Dr. Kolenatys: Ein
Prozess, der sich über 100 Jahre hinzog und eine gute Einnahmequelle mehrerer
Generationen der Advokatenfamilie Kolenatys gewesen ist, droht zu Ende zu gehen.
1827 starb Baron Ferdinand Prus kinderlos. Um das Millionenerbe streiten sich
sein Vetter Emmerich Prus und ein junger Mann namens Ferdinand Gregor, dessen
Ansprüche sich nur auf mündliche Äußerungen stützen, vor allem auf eine
Verfügung auf dem Sterbebett, daß Herr MacGregor erben sollte. Aber niemand
weiß, wer damit gemeint ist. Nun sieht es so aus, als ob Albert Gregor, der
Sohn Ferdinands, den Prozeß verlieren wird.
Vitek ordnet die Akten des Falls Gregor gegen Prus.
Albert Gregor wartet ungeduldig auf die Gerichtsentscheidung.
Viteks Tochter Kristina schwärmt von der hinreißenden Sängerin Emilia Marty.
Kolenaty kommt mit Emilia. Sie hat ein rätselhaftes Interesse am Fall Gregor
und kennt Details von Ereignissen, die 100 Jahre zurückliegen. Vor allen weiß
sie wo das Testament - zusammen mit einem Dokument in griechischer Sprache
- zu finden ist, das Gregor braucht, um den Prozeß zu gewinnen.
Kolenaty geht auf die Suche nach dem Testament. Gregor ist fasziniert von
Emilia. Aber sie weicht seinen Fragen und seinen Annährungsversuchen aus.
2.
Akt: Die
leere Bühne eines großen Theaters. Viteks Tochter Kristina träumt von einer
Karriere als Sängerin.
Emilia ist ihrer Verehrer überdrüssig. Zu ihnen zählt außer Kristina, Gregor
und Vitek inzwischen auch Prus' Sohn Janek, der mit Kristina befreundet ist.
Zwei weitere Männer werden von ihr ganz anders behandelt: Dem senilen Grafen
Hauk-Sendorf, der in ihr die seit 50 Jahren verloren geglaubte Geliebte
wiederzufinden meint, bringt sie ein gewisses Mitgefühl entgegen, während sie
Jaroslav Prus, der das ersehnte Dokument besitzt, mit dem Respekt behandelt, dem
man einem gleichrangigen Gegner entgegenbringt. Während er anfängt, ihr ihre
Geheimnisse zu entlocken, - er hat herausgefunden, daß Ferdinand Gregors
Mutter die Geliebte Ferdinand Prus' war und sich Elian MacGregor nannte in
Wirklichkeit aber Elina Makropulos hieß - versucht sie ihm die Dokumente
abzukaufen aber ohne Erfolg. Als er jedoch mitbekommt, wie sie versucht, erst
Gregor dann seinen Sohn zu überreden, ihm das Dokument zu stehlen, ist er zu
einem abendlichen Zusammentreffen mit ihr bereit.
3.
Akt: Ein
Hotelzimmer. Prus hat eine Nacht mit Emilia verbracht, die dafür das Dokument
erhält, aber sie ist starr und teilnahmslos geblieben. Als sie die Nachricht
erhalten, das Prus' Sohn Janek sich wegen ihr das Leben genommen hat, reagiert
sie mit solchem Zynismus, dass Pus sie beinahe erschlägt.
Hauk-Sendorf erscheint, um mit Emilia nach Spanien zu fliehen. Dies wird durch
das Auftauchen von Kolenaty, Gregor, Kristina und Prus verhindert. Emilia gerät
in den Verdacht, ein Schriftstück gefälscht zu haben. Als daraufhin ihr Gepäck
durchsucht wird, treten Einzelheiten ihrer Vorgeschichte zu Tage: Emilia ist
Elina Makropulos, 330 Jahre alt, die Tochter des Leibarztes von Rudolf II. Er
hatte für den Kaiser eine lebensverlängernde Formel entdeckt, die er an seiner
Tochter ausprobiert hatte. Elina erbte das Dokument, das sie an Ferdinand Prus
weitergegeben hatte, dem einzigen Mann, den sie in ihrem langen Leben wirklich
geliebt hat. Jetzt braucht sie die Formel, um ihr Leben, das abgelaufen ist,
noch einmal zu verlängern. Aber in dem Augenblick, in den sie das Schriftstück
in Händen hält, ist sie des langen Lebens müde. Sie versucht, Kristina
zu überreden, die Formel zu benutzen, aber diese verbrennt sie über einer
Kerzenflamme. Elina bricht tot zusammen.
Die ungewöhnlich verwickelte Handlung zwang Janacek, sich ganz auf die Dialoge
zu konzentrieren. Es entstand eine Dialogoper im engsten Sinne des Wortes. Es
gibt keine Monologe oder gar Arien und - abgesehen vom Schlußbild - keine
Ensembleelsätze und auch keinen Chor.
"Vec Macropulos" ist die Tragödie oder makabere Groteske einer
negativen Heldin, der in einem mehr als 300jährigen Leben jedes Gefühl in bloßen
Zynismus erstarrt ist. Gerade davon geht jedoch eine fatale Attraktivität aus,
die bei den Männern, die sich um sie bemühen, das Schlimmste zu Tage fördert,
was in ihnen steckt.
Janacek mußte also eine Musik komponieren, die Zynismus, innere Leere, Rohheit
und Gier ausdrückt. Andererseits war er kein Komponist, dem die Mittel
der Neuen Musik zur Verfügung standen, um "negative Musik" zu
komponieren. So hängt die Wirkung der Oper zum größten Teil von der
Expressivität ab, mit der die Sänger ihre Gesangspartien darstellen, eine
Expressivität, die ebenso differenziert wie charkteristisch sein muß, wenn das
Werk nicht an der Gefahr der Monotonie, die jeder Dialogoper droht, scheitern
soll.
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