|
|
Katja Kabanowa - Leos Janacek Inhalt Leos Janacek - Katja Kabanowa Uraufführung: 23. November 1921 in Brno Quelle: Text von Prof. Cornel Franz 1986 Die Premiere der Neuinszenierung an der Deutschen Oper Berlin war der 22.
März 1986. Die Inszenierung übernahm Günter Krämer und der Text hierfür
stammte von Prof. Cornel Franz. Ort: Die Wolgastadt Kalinow Zeit: unmittelbar vor der russischen Revolution 1905 Die Gesellschaft Katja beobachtet ein kleines Mädchen, das eine Papierschwalbe bastelt und fliegen läßt. Aber die Mutter des Mädchens - aus Angst, das Kind könnte sich schmutzig machen - unterbricht das Spiel und zerrt es zu den anderen Kirchgängern zurück. Katja würde gern das Spiel fortführen, doch ihre Stellung als verheiratete Frau verbietet solche Kindereien. Kudrjasch, ein junger Lehrer, macht sich nach einem Bad in der Wolga mit Glascha, dem Dienstmädchen der Kabanows, die den Tee für die Herrschaft richtet, über die landschaftlichen Schönheiten lustig. Sie werden gestört durch Dikoj, der seinen aus Moskau gekommenen Neffen Boris als Taugenichts beschimpft. Kudrjasch fragt Boris nach dem Grund der Auseinandersetzung: Boris muß, um in den Genuß einer Erbschaft zu gelangen, seinem Onkel bis zur Volljährigkeit zu Diensten sein. Dikoj, der Kaufmann, tut alles, damit das Gegenteil offensichtlich wird. Außerdem vertraut Boris Kudrjasch an, daß er sich in Katja, die Frau des Tichon Kabanow, verliebt habe. Der Gottesdienst ist zu Ende. Die Kabanows nehmen mit den Freunden der Familie den Tee zu sich. Tichons Mutter, die Kabanicha, fordert ihren Sohn auf, eine Geschäftsreise zum Markt von Kasan zu unternehmen. Bei dieser Gelegenheit wirft dieKabanicha Tichon und Katja zumwievielten Male? - vor, daß sie von ihnen nicht gehörig geliebt und geachtet wird. Man trennt sich im Streit. Barbara, die Pflegetochter der Kabanicha, nimmt sich vor, Katja zu helfen. Die Sehnsucht Katja erzählt Barbara von ihren Träumen. Bei der Schilderung eines Traumes vom Fliegen und Abstürzen gesteht sie, daß sie einen anderen Mann liebt. Der Abschied Katja flüchtet zu ihrem Mann, der seine letzten Reisevorbereitungen trifft, und bittet ihn, entweder dazubleiben oder sie mitzunehmen. Als Tichon froh, endlich einmal aus dem Hause zu kommen - beides abschlägt, fordert sie von ihm, daß er von ihr einen Treue-Eid verlange. Die Kabanicha drängt zum Aufbruch und zur Erfüllung alter Bräuche: Der Mann muß seiner Frau auftragen, wie sie sich während seiner Abwesenheit zu verhalten habe. Außerdem muß Katja für die Dauer von Tichons Reise Schwarz tragen. Als Katja ihrem Mann noch einmal um den Hals fällt, überhäuft die Kabanicha ihre Schwiegertochter mit Vorwürfen über ihr unziemliches Verhalten, die auch nach der Abreise nicht enden. Die Flucht Barbara hat für Katja ein Treffen mit Boris arrangiert. Sie zeigt Katja eine Möglichkeit, unbemerkt aus dein Kabanowschen Haus zu kommen und bietet ihr den Scllüssel dazu an. Hin- und hergerissen zwischen Sehnsucht und schlechtem Gewissen, entschließt sich Katja zur Flucht. Die Nacht Dikoj darf sich in dieser Nacht wieder einmal wegen seines seiner Meinung nach zu welchen Herzens Geschäftspartnern gegenüber bei der Kabanicha ausweinen. Sie gestattet ihm, unter Wahrung der Sitte, ihre Stiefel zu küssen. Kudrjasch, der zwischen vielen Liebespaaren wie jeden Abend auf Barbara wartet, um mit ihr die Nacht zu verbringen, trifft Boris, der seinerseits Katja erwartet. Vergeblich rät er dem Städter noch einmal, von dieser Beziehung Abstand zu nehmen. Barbara geht mit Kudrjasch zur Wolga. Katja und Boris sind allein. Ihr erstes Zusammentreffen ist erfüllt von Angst, Sehnsucht, Erwartung und Enttäuschung. Die Paare wechseln den Platz. Während man von ferne Katjas und Boris' Beteuerungen ihrer gegenseitigen Liebe hört, versuchen Barbara und Kudrjasch, den Schatten, der über ihre Beziehung gefallen ist, zu erkennen. Am Ende der Nacht steht Katja allein vor ihrem schwarzen Kleid. Das Gewitter Einige Wochen später an einem regnerischen Sonntagnachmittag. Die Stadtbewohner werden während ihres Sonntagsspazierganges von einem Gewitter überrascht und flüchten in einen Unterschlupf Unter ihnen sind auch Dikoj, Kudrjasch und sein Freund Kuligin. Während auf der Straße das Militär Flugblätter konfisziert und die Hersteller und Verteiler dieser Flugblätter festnimmt, versucht Kudrjasch, Dikoj zu erklären, daß man gegen Gewitter etwas unternehmen könne. Aber für Dikoj ist und bleibt das Gewitter eine Strafe Gottes. Die Selbstbezichtigung Der Regen hat aufgehört, die Leute setzen ihren Spaziergang fort. Barbara trifft auf Boris und erzählt ihm, daß Katja durch Tichons Rückkehr vor Angst unberechenbar geworden sei. Vergeblich versuchen Barbara, Kudrjasch und Boris, Katja, die vor sich selbst und vor Männern, die ihre brutalen Scherze mit ihr treiben, davonläuft, zu beruhigen. Katja wirft sich vor der Kabanicha, Tichon und Dikoj, die ihr ebenfalls gefolgt sind, zu Boden. Während das Militär auf dem Sonntagskorso für Ruhe und Ordnung sorgt, gesteht Katja in einem Anfall von totaler Unterwerfung und Selbstbefreiung ihr Verhältnis zu Boris. Sie flieht. Der Aufbruch Glascha und Tichon suchen Katja, die seit Tagen verschwunden ist. Tichon hat gemerkt, daß er seine Frau wirklich liebt. Aber er weiß auch, daß es zu spät ist. Barbara, die bis dahin von der Kabanicha nicht besonders beachtet wurde, weil sie nur die Pflegetochter ist, und deshalb ihre geheime Beziehung zu Kudrjasch ohne besondere Schwierigkeiten aufrechterhalten konnte, wurde seit dem Verschwinden Katjas von der Kabanicha eingesperrt. Kudrjasch schlägt ihr die Flucht vor. Sie verlassen die Enge der Wolgastadt, um in der unruhigen Großstadt Moskau zu leben. Der Abschied Katja, am Ende ihrer Kräfte,will sterben.Aber ihre physische Kraft und ihre Sehnsucht läßt dies nicht zu. Sie will ihren Geliebten noch einmal sehen, sie ruft ihn. Die große Freude des Wiedersehens läßt sie ohnmächtig werden. Boris hilft ihr, so gut er kann. Aber seine Zeit ist begrenzt ... Er muß und will, um seine Erbschaft zu retten, im Auftrag seines Onkels Dikoj nach Sibirien abreisen. Sie nehmen Abschied. Jeder geht seinen eigenen Weg. Boris bricht nach Sibirien auf. Katja verschwindet in Richtung Wolga. Die Gesellschaft Aus der Wolga wird die tote Katja geborgen. Tichon beschuldigt seine Mutter des Mordes. Ein letztes Mal verweist die Kabanicha ihren Sohn in die Schranken. Die Kabanicha bedankt sich bei den Stadtbewohnern, die sich alle wie auf geheimen Befehl am Wolgaufer eingefunden haben, für ihr Erscheinen. Tichon erkennt an der Teilnahmslosigkeit der Gesellschaft ihre Inhumanität. |
|
D-73499 Wört |