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Die Frau ohne Schatten  - Richard Strauss

Inhalt

Oper in drei Aufzügen von Hugo von Hofmannsthal

Uraufführung: 10. Oktober 1919 in Wien

Der 1. Aufzug
Terrasse vor den kaiserlichen Gemächern.  Nacht.  Ein Bote Keikobads verkündet der Amme der Kaiserin, daß der zürnende Vater seine Tochter ins Geisterreich zurückholen werde und den Kaiser zu Stein erstarren lasse, wenn die Kaiserin nicht binnen dreier Tage einen Schatten wirft.
In der Morgendämmerung begibt sich der Kaiser für die folgenden drei Tage auf die Jagd.  Er möchte den roten Falken wiederfinden, der ihm einst half, die weiße Gazelle zu erlegen, die sich in seinen Armen in ein Weib verwandelte und seine Frau wurde.
Schon frohlockt die Amme, daß der Fluch sich erfüllt, doch der zurückgekehrte Falke erinnert die Kaiserin an Keikobads Gebot und die ablaufende Frist.  Die verzweifelte Kaiserin fordert von der Amme, ihr zu dem gewünschten Schatten zu verhelfen.
Verwandlung: »Sie tauchen hinab in den Abgrund der Menschenweit.«

Färberhaus.  Die junge Frau des Färbers Barak streitet mit dessen mißgestalteten Brüdern.  In der kinderlosen Ehe mit dem älteren Mann unglücklich, verlangt sie von dem hinzutretenden Barak, seine Brüder hinauszuwerfen, doch Barak möchte für seine Familie sorgen.
Nachdem Barak zum Markt aufgebrochen ist, stehen plötzlich Amme und Kaiserin ärmlich gekleidet im Färberhaus.  Die Amme verspricht der Frau Reichtum, Schönheit und Liebe im Tausch gegen ihren Schatten.  Sie schmückt die Frau wie eine Fürstin, verwandelt das Haus in einen funkelnden Palast und lockt mit der Erscheinung eines schönen Jünglings.  Als das Trugbild verschwindet, erfährt die Frau, daß sie mit dem Schatten auch ihre Fruchtbarkeit verliert.  Sie schwört, sich ihrem Mann zu verweigern, während ihr Amme und Kaiserin die nächsten drei Tage im Haus dienen wollen.
Die Amme trennt die eheliche Schlafstatt und zaubert ein Nachtmahl für den heimkehrenden Barak.  Aus dem Herdfeuer vernimmt die Frau die klagenden Stimmen der Ungeborenen.
Barak legt sich einsam zur Ruhe, während in den Straßen die Wächter die Gattenliebe preisen.

Der 2. Aufzug
Färberhaus.  Da der Schatten noch nicht gewonnen wurde, versucht die Amme wiederum, die Frau mit der Zaubererscheinung des Jünglings zu verführen.  Die Frau bringt es nicht über sich, ihren Mann zu betrügen und die Erscheinung verschwindet.
Verbittert beobachtet die Frau das fröhliche Mahl, welches Barak mit seinen Brüdern und fremden Bettelkindern teilt.
Falknerhaus.  In einem Brief teilte die Kaiserin ihrem Mann mit, daß sie die nächsten drei Nächte gemeinsam mit der Amme im Falknerhaus verbringen wird.  Vom wiedergefundenen Falken geführt, beobachtet der Kaiser heimlich die nahenden Frauen.  Da er »Menschendunst« wahrnimmt, glaubt er sich betrogen und möchte die Kaiserin töten, doch ihm versagen die Kräfte.  Er flieht in die Einsamkeit.
Färberhaus.  Heimlich verabreicht die Amme Barak einen Schlaftrunk.  Fast erlischt der Widerstand der Frau vor der erneuten Erscheinung des schönen Jünglings.  Im letzten Moment jedoch weckt sie Barak und überhäuft ihn mit Vorwürfen.  Amme und Frau verlassen das Haus.
Falknerhaus.  Von Schuldgefühlen gegenüber Barak geplagt, fällt die Kaiserin in einen unruhigen Schlaf.  In schwerem Traum sieht sie ihren Gemahl die Schwelle des Todes betreten und langsam versteinern.
Färberhaus.  Finstere Mächte verdunkeln den Tag.  Die Frau bekennt Barak den in Wahrheit noch nicht vollzogenen Ehebruch und den Verkauf ihres Schattens.  Voller Zorn hebt Barak seine Hand, um seine Frau zu erschlagen.  Die himmlischen Mächte senden ihm ein Richtschwert.
Die Kaiserin entsagt dem Schatten, da er mit Schuld und Blut behaftet ist.
Bereit, von Baraks Hand zu sterben, erkennt die Frau, daß sie zu ihm gehört.
Die Erde öffnet sich.  Man hört aus dem alles verhallenden Dunkel die Stimme er Amme.

Der 3. Aufzug.
Unterirdisches Gewölbe.  Voneinander getrennt und sich zueinander sehnend, beklagen Barak und seine Frau ihre Schuld.  Eine Stimme weist ihnen den Weg.
Vor dem Geistertempel.  Ein Kahn führt Kaiserin und Amme vor das Tor des Geistertempels.  Die Kaiserin möchte sich dem Gericht Keikobads stellen, um gemeinsam mit ihrem Gemahl das Urteil zu erdulden.  Gegen den Willen der Amme betritt sie den Tempel.  Sie sagt sich von der Amme los und bekennt sich zu den leidgeprüften Menschen.  Die verlassene Amme verflucht die Menschen und weist die sich suchenden Färbersleute in die Irre.  Der Geisterbote tritt ihr entgegen und verkündet den Spruch Keikobads: Fortan soll sie unter den verhaßten Menschen umherirren.
Im Innern des Tempels.  Ein Hüter der Schwelle möchte die Kaiserin verführen, vom Wasser des Lebens zu trinken, durch das sie den Schatten der Frau gewinnen würde.  Da vernimmt sie die verzweifelten Stimmen von Barak und seiner Frau.  Selbst im Angesicht des Kaisers lehnt die Kaiserin den Schatten endgültig ab.  Durch ihren Verzicht gewinnt sie den ersehnten Schatten und erlöst ihren Mann.
Der zurückgegebene Schatten führt die Färbersleute zueinander.
Die wiedervereinten Paare beginnen einen Freudengesang, in den die Ungeborenen einstimmen.


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